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Tierwelt
Bis Ende der 40er Jahre gab es in Tibet noch große Bestände wilder Yaks, Antilopen,
Moschushirsche, Kyangs, weißer Fasane, Adler, Brahmanenten und Kraniche. Gleichzeitig lebten dort Braunbären, Wölfe, .Luchse und Schneeleoparden. Viele Arten sind jetzt vom
Aussterben bedroht, was eine Folge des übermäßigen Bevölkerungswachstums, des Rückgangs der Wälder und der vermehrten Jagd auf diese Wildtiere ist. Der Bevölkerungszuwachs hat
zu einem zunehmenden Druck auf das Weideland in Tibet geführt. Waldrodungen beeinträchtigten Flußtäler und verursachen Bodenerosion und Versalzen des Wassers. Viele bedrohte
Arten werden gejagt, um den chinesischen pharmazeutischen Markt mit traditioneller Medizin zu versorgen. Ebenso besteht in China eine große Nachfrage nach den Fellen des seltenen
Schneeleoparden. Dies alles geschieht, obwohl China das Washingtoner Artenschutz- Abkommen, das den Handel mit bedrohten Tierarten verbietet, unterzeichnet hat. Von den 695 Tierarten
in Tibet werden offiziell 141 geschützt. Viele der Tierarten, die es in Tibet gibt, kommen ausschließlich in Tibet und in den angrenzen
den Regionen vor. Das Aussterben dieser Arten ist nicht allein für Tibet ein Verlust, sondern auch für die gesamte globale Artenvielfalt.
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Bergbau
Es wird angenommen, daß sich in Tibet das größte Uranvorkommen der Welt befindet. Darüber hinaus verfügt Tibet über Gold, Kupfer, Zink, Lithium, Borax, Chrom, Eisenerz und
andere Mineralien, insgesamt 94 Sorten Bodenschätze. Nach Chinas Angaben von 1995 wird der Wert der tibetischen Bodenschätze auf 650 Milliarden Yuan geschätzt. Der Abbau der
Bodenschätze wurde in verstärktem Maße seit den 80er Jahren betrieben und ist die wichtigste Wirtschaftsaktivität für die 90er Jahre. Der Abbau durch 145 Bergbaugesellschaften
verursacht Umweltverschmutzungen und sorgt für starken Bevölkerungszuwachs namentlich durch die Ansiedlung von Chinesen. Für den Bergbau werden neue Straßen angelegt und Bäume
gefällt, um Häuser zu bauen.
Die Mehrzahl der Minen sind sicherheitstechnisch unzulänglich. Es existieren ausführliche Berichte über Unglücksfälle und gesundheitliche Schäden, die sich aus dem Leben in der
Nähe von Uranminen ergeben. So sind beispielsweise innerhalb von 3 Jahren in einem Dorf 35 von 500 Menschen an mysteriösen Krankheiten gestorben. Die Ursache liegt in verseuchtem
Wasser.
1995 wurde im Nagchu-Gebiet, 200 Kilometer nördlich von Lhasa, ein neues Goldvorkommen entdeckt. Hier siedelten sich in kürzester Zeit über 10.000 Chinesen an. China hat angekündigt,
ein Kupferabbaugebiet in Ost-Tibet zu entwickeln und dafür sollen Siedlungen gebaut werden, in denen sich 500.000 Chinesen niederlassen können.
Bodenerosion und Wasserkraftwerke.
Infolge vieler Waldrodungen und Kultivierungen steiler Berghänge entstehen Bodenerosionen, die ein Ansteigen der Wasserstände der Flüsse verursachen, was wiederum zu Überschwemmungen
führt. In Yunnan hat sich die Zahl der Überschwemmungen in den letzten 40 Jahren verdreifacht. In Sichuan sind seit 1950 bereits 5 Überschwemmungskatastrophen mit verheerenden
Folgen registriert worden. Man vermutet, daß das Auslaugen der Böden ein starkes Versalzen der Flüsse verursacht.
Die umstrittene Planung einer gigantischen Wasserenergie-Zentrale droht den Yamdrok-Tso-See, einer von Tibets heiligen Seen, auszutrocknen. Im Rahmen des chinesischen
Entwicklungsplans für Tibet, dem "Drei-Flüsse-Damm-Projekt" wird diese Zentrale gebaut. Anstelle einer Anzahl kleinerer Anlagen mit weniger eingreifenden Folgen für die
Umwelt entschied man sich für den Bau einer einzigen riesigen Zentrale. Sie wird mit der Unterstützung der österreichischen Regierung gebaut. Das Absinken des Wasserstandes in
diesem See kann zu klimatischen Veränderungen und der Vernichtung der Ökologie des Sees führen. Es wird befürchtet, daß der See innerhalb von 50 Jahren ausgetrocknet sein wird.
Von Tibets bedeutendster und umweltfreundlichster Energiequelle, nämlich der Sonnenenergie, wird kein Gebrauch gemacht.
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Die nukleare Frage
Obwohl die chinesische Regierung Meldungen über die Lagerung nuklearen Abfalls immer dementiert hat, wurde im Juli 1995 doch eingeräumt, daß man
Atommüll am Koko-Nor-Sees in Amdo eingelagert. China hat sich wiederholt bereit erklärt, im Tausch gegen harte Währung für andere Länder atomaren Abfall zu deponieren. Die
"China Nuclear Industry Corporation" räumte 1984 verschiedentlich westlichen Ländern vergünstigte Tarife für Nuklearmüll zum Preis von 1.500 US Dollar pro Kilo ein.
1987 wurde Westdeutschland die Übernahme nuklearen Abfalls angeboten. Wegen massiver Proteste konnte man dieses umstrittene Angebot zunächst nicht annehmen. Inzwischen wird aber
anderweitiger industrieller Müll aus dem Westen in Tibet gelagert.
In Tibet befinden sich mindestens 3 Stützpunkte mit etlichen Atomwaffen, die eine Reichweite von 7.000 Kilometern haben. In der Nähe nuklear belasteter Gebiete wurden
Gefangenenlager gebaut. Es existieren Berichte, daß die Gefangenen radioaktives Eisenerz fördern und Testgebiete betreten müssen, um gefährliche Arbeiten zu verrichten.
In den 60er Jahren baute man in der Nähe des Koko-Nor-Sees in Amdo die sog. "Neunte Akademie". Sie war Chinas wichtigstes Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentrum
für Kernwaffen Diesem gigantischen Baukomplex mußten zahlreiche Bauten und auch Klöster weichen und ganze Bevölkerungsgruppen umgesiedelt werden. Von ihm gingen erhebliche
Umweltbelastungen und -verseuchungen aus und die Bewohner der Umgebung müssen mit einem erhöhten Krebserkrankungs-Risiko rechnen. Inzwischen ist die "Neunte Akademie"
nach Xihai, der neuen Hauptstadt von Haibei, einer tibetischen autonomen Präfektur in Qinghai, verlegt worden. Mit ihr wurden die nuklearen Aktivitäten dort angesiedelt.
An der tibetischen Grenze bei Lop Nor in Ost- Turkestan (Xinjiang) werden in regelmäßigen Abständen Atomtests durchgeführt. 1995 fanden dort 2 Tests statt. Der Test im Mai 1995
fand 4 Tage nach Chinas Unterzeichnung des Atomwaffen-Sperr-Vertrages, der den Verzicht auf Atomtests einschließt, statt. Auch 1996 hat China mindestens einen Test gestartet und
einen weiteren angekündigt, ungeachtet des seit 1992 bestehenden Moratoriums für Atomtests
Internationale Folgen
All die erwähnten Eingriffe in die Umwelt wirken sich nicht nur in Tibet, sondern auch auf alle angrenzenden Ländern aus Eine Reihe der wichtigsten Ströme Asiens entspringen auf
dem tibetischen Plateau. Belastungen dieser Flüsse können die Wasserzufuhrvon 30 - 50% der Weltbevölkerung beeinträchtigen. So ist bereits heute die Versalzung des Brahmaputra in
Tibet eine der Ursachen für die zahlreichen Überschwemmungskatastrophen in Bangladesh. Die Rolle des tibetischen Plateaus auf das Weltklima wird immer deutlicher. Juli 1994 gab ein
chinesischer Wissenschaftler, der mit Untersuchungen des tibetischen Plateaus beschäftigt ist, die Gefahren einer globalen Klimaerwärmung zu. Er nannte die fortwährend kleiner
werdenden Gletscher und das von Verwüstung bedrohten Grasland. Die Eingriffe in das tibetischen Plateau können weitreichende Folgen haben nicht nur für Tibet und die umliegenden Länder,
sondern auch für die gesamte Welt. Die Wiederherstellung der natürlichen Umwelt in Tibet geht wegen der großen Höhe sehr langsam vor sich und es ist zu befürchten, daß der
bereits entstandene Schaden irreparabel ist.
Quellen: Environmenlal Degradalion, 1950-1995, The Exploitation of Tibets Natural Resources, Chinas Nuclear Aclivilies in
Tibet, Wildlife and Landuse in Tibel, TSG-UK. 1995, Tibel en de Chinese Kernbewapening, J.Niezing,1994, Cinas Tibet vol.6 no.5, World Tibet News,1995/96. zu Umweltzerstörung
siehe auch: Pema, Jelsun: Zei1 der Drachen,1997, S. 205, S. 218 Wlm van Glnke/-17/06/96.
dt. Übersetzung: Rhonda Strehl 08/97, tibetinfo.de
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