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Am Samstag starteten mein Herrchen Hubert und ich für eine 2-Tages-Tour vom
kostenpflichtigen Parkplatz an der Wimbachbrücke in der Ortschaft in Ramsau.
Frauchen Berit, Chacko und Kasha begleiteten uns bis zur hölzernen Brücke,
welche über den Wimbach fließt.

Danach trennten sich unsere Wege, Herrchen und ich gingen dann alleine
weiter auf dem Wanderweg 421 in Richtung Wimbachgrieshütte vorbei am
Wimbachschloß. Das ist gar kein richtiges Schloß, sondern wurde von einem
Adligen als Jagdsitz erbaut.

Der Weg war am Anfang nicht sehr steil, sondern stieg schön gemächlich an
und führte uns durch karges Land mit wenig Schatten. Wir mussten ein großes
Geröllfeld und Steinwüsten überqueren. Danach machten wir eine kurze Rast
und tranken ein bisschen. Viele Leute haben wir getroffen und einige waren
sehr interessiert an mir und fragten mein Herrchen über mich und meine Rasse
Do Khyi aus. Alle fanden es toll, dass ich mein Wasser und Essen selber in
einem Hunderucksack trug.

Nach der kurzen Rast ging es dann weiter. Unterwes trafen wir den
Appenzeller-Collie-Mix Rüden Lucky mit seinem Frauchen und Herrchen. Die
Zweibeiner führten einen Smalltalk und ich nutzte die Zeit mit Lucky um uns
auszuruhen. Eine Gruppe mit Taubstummen war erfreut mich zu sehen und
Herrchen musste wieder Rede und Antwort stehen.

An der Wimbrachgrieshütte (Höhe1326 m) angekommen, legten wir unsere
Rucksäcke ab und ich bekam eine ordentliche Brotzeit. Herrchen gönnte sich
ein Radler und ein Stück Kuchen. Vor Ort waren zwei schmucke
Golden-Retriver-Hündinnen, die mich umschwärmten. Nach einer Stunde Pause
hatten wir genug Kräfte gesammelt, die Wassersäcke aufgefüllt und es ging
los.

Wir folgten den Wanderweg 411, der uns durch sehr karges Gelände führte. Die
Gegend erinnerte teilweise an Szenen aus einem Karl-May-Film. Viele Steine,
verkrüppelte Bäume und Kieferlatschen, wenig Schatten.
Dann wurde es im Banngraben ziemlich steil. Alle 15 Minuten machten wir eine
kurze Rast, tranken und schonten unsere Kräfte. Herrchen und ich waren aber
so fix, dass wirteilweise 100 Höhenmeter in 10 Minuten machten.
Nachdem wir den Banngraben überwunden hatten, machen wir eine Stunde Pause,
wo sich der Wanderweg 421 und 411 trennten (Höhe 1798 m). Das Schneefleckerl
und der Schatten taten richtig gut und ich konnte meine heißen Pforten im
Schnee kühlen, bevor es weiterging zum Graskopf.
Und ab hier wurde es so richtig anspruchsvoll - Klettern war angesagt, meine
Lieblingsdisziplin.
Es ging immer schön steil bergauf, bergab, bergauf vorbei an Rauhe Köpfe,
den Graskopf, durch die Hundstodgruben über Stock, Stein und Schnee.
Begleitet wurden wir von den Bergbewohnern. Wir sahen viele Gemsen, hörten
die Murmeltiere pfeifen, konnten aber leider nur ein Murmeltier sehen. Bei
einer längeren Rast und beobachteten die Gemsen-Herden. Hier oben war es
schön ruhig und friedlich.

Von Hundstodgruben ging es über dem Hundstodgatterl (Höhe 2096 m) endlich
mal bergab. Herrchen und ich rutschten auf dem Schnee bergab und hatten
unsere Gaudi. Ein paar Mal ist Herrchen auf den Hosenboden gelandet und
lachend auf dem Po gerutscht. Um diese Jahreszeit liegt dort noch sehr viel
Schnee. Chacko hätte sich hier wohl gefühlt und sich gekullert.
Nach mehr oder weniger Blindflug durch das Schneefeld, war endlich wieder
ein Schild da und zeigte den Weg zum Ingolstädter Haus (Höhe 2119 m). Wir
konnten das Haus sehen, folgten aber dem Arco-Weg (Wanderweg Nr. 420) in
Richtung Kärlingerhaus.
Es ging steil bergab über Schnee und Stein entlang der Hirschwand. Wir
hörten die Murmeltiere, sahen kletternde Gemsen und fanden Überreste einer
toten Gemse.
Es fing schon an zu dämmern.
Da wir noch ein ganz schönes Stück zu gehen hatten und wir beide hungrig und
müde waren, hat Herrchen entschieden, zu einer Schäferhütte zu gehen und
dort die Nacht zu verbringen.
Die Hütte (Höhe 1912 m) war verschlossen, hatte ein großes Vordach und eine
Bank davor. Herrchen hat mir den Rucksack und das Geschirr abgenommen, mir
einen Liegeplatz mit einem Brett freigeschaufelt und für mich die Isomatte
ausgerollt. Anschließend hab’ ich zu Abend gegessen.
Nach dem Abendessen habe ich mich auf den Schneehaufen vor der Hütte gelegt
und wie es sich für einen Do Khyi gehört, ordentlich aufgepasst. Herrchen
hat die Wäsche gewechselt, sein Nachtlager hergerichtet und Brotzeit
gemacht. Wie es sich unter Bergkameraden gehört, haben wir natürlich auch
Herrchens Brotzeit miteinander geteilt – von meinem Futter wollte ja vorher
nichts abhaben.
Zusammen schauten wir uns romantischerweise den Sonnenuntergang an. Herrchen
rollte sich in seinen Schlafsack ein, ich passte grummelnd auf. Irgendwann
schlief auch ich ein. Um 02:00 Uhr (0° Celsius) in der Nacht bemerkten wir,
dass es die ganze Zeit über blitzte. Wir beobachteten zusammen ein Gewitter,
welches weit weg von uns hinter einem anderen Berg vorbeizog.
Ich legte mich zu meinem Herrchen und zusammen schliefen wir ein. Um 05:00
Uhr (3° Celsius) weckten uns die ersten Sonnenstrahlen. Wir gingen ein
kleine Püschelrunde, räumten unser Nachtlager, futterten eine Kleinigkeit
und gingen auf dem Wanderweg 420 weiter.
Wir mussten noch einmal kurz aufsteigen und dann sahen wir im Morgennebel
den Funtensee. Der Schnee lag hinter uns, es ging steil bergab, und wir
folgten am Viehkogel vorbei dem Wanderweg 412 zum Kärlingerhaus (Höhe 1601
m).

Eigentlich wollten wir gestern beim Kärlingerhaus einkehren und hatten auch
ein Nachtlager reserviert zum Übernachten. In den Bergen ist es wichtig,
sich vorher anzukündigen, da nicht jede Hütte die Übernachtung von Hunden
erlaubt. Es empfiehlt sich, sich immer vorher zu erkundigen, ob Hunde auch
als Gäste gern gesehen sind.
Im Kärlinghaus waren wir gern gesehen und von der netten Hüttenwirtin bekam
ich zwei Paar Wiener geschenkt. Herrchen gönnte sich Kaffee und
Fruchtschorle.
Um 07:30 Uhr brachen wir dann auf.
Auf dem Wanderweg 412 ging es durch das Ofenloch, entlang des Bärengraben
(Höhe 1384 m) und durch die Saugasse (Höhe 1023 m). Frecherweise setzte sich
einmal ein Murmeltier auf den Weg und pfiff durch die Gegend, eine Gemse
trafen wir auch noch einmal. Als wir bei der Holzstube am Schrainbach (Höhe
886 m) ankamen, nahm ich mal ein kurzes Fußbad, pitschelte und trank einen
kräftigen Schluck von dem kühlen, frischen Bergwasser.
Anschließend gingen wir den steilen Weg bergab bis zum Königssee (Höhe 600
m). Ich konnte öfters mal eine Verschnaufpause einlegen, weil viele Wanderer
wie bereits am Vortag mich lobten und mein Herrchen ausfragten.

Am Königssee angekommen, ging ich sofort in das kühle, kostbare Naß. Es war
mittlerweile schon 10:30 Uhr und hatte wolkenlose 28°. Nach einer Pause
marschierten wir die letzten Meter nach St. Bartholomä und schnurstracks in
den Biergarten.

Herrchen bestellte für uns ein Jägeschnitzel und wir aßen mit großem
Appetit. Ich das Schnitzel, er die Beilagen. Wir saßen bzw. lagen gemütlich
im Schatten und ließen es uns gut gehen.

Um 13:15 Uhr nahmen wir die Fähre von St. Bartholomä nach Königssee.
Herrchen musste für die Fahrt 6,60 Euro bezahlen und ich nur 2,50 Euro.
Meine erste Bootsfahrt dauerte 30 Minuten. In Königssee nahm Herrchen mir
meinen Rucksack und Geschirr ab. Ich brauchte es bei der Hitze nicht mehr zu
tragen – dafür aber Herrchen!

Wir fuhren mit dem Bus von Königssee nach Bad Reichenhall. Die Fahrt dauerte
ca. 45 Minuten mit der Linie 9541, geht vom großen Parkplatz am Königssee ab
und kostet 4,30 Euro, Hunde sind frei. Im Bad Reichenhaller Bahnhof traf ich
noch ein Shiba-Husky-Mix Mädchen und wir warteten zusammen auf den Zug.
Herrchen kaufte für mich eine Kinderfahrkarte, nicht dass ich schwarz fahren
musste. Kontrolliert wurden wir aber nicht.
Im Zug war ich für viele Kinder der Star, sie durften mich streicheln und
massieren. Herrchen musste mal wieder Rede und Antwort stehen. Tja, es ist
eben kein Urlaub, mit einen echten Tibetischen Berghund unterwegs zu sein –
und dann noch einem Prachtexemplar wie mir.
Nach zwei Stunden Zugfahrt und zweimal Umsteigen wurden wir von Frauchen am
Bahnhof Burgkirchen abgeholt. Kasha und Chacko freuten sich riesig über
unsere Ankunft. Es war schön, wieder zu Hause zu sein!
Und obwohl ich ein paar Tage ordentlichen Muskelkater hatte, freu’ ich mich
schon auf die nächste Bergtour!
Euer Bolbo |